Die B179 Fernpass Straße

Wo Römer ritten und Träume fahren

Reise & Geschichte · Tirol, Österreich · Passstraße B179 · Höhe 1.216 m


Du sitzt hinter dem Steuer, die Alpen öffnen sich vor dir wie eine längst vergessene Welt – und du weißt: Millionen Menschen vor dir haben genau dasselbe gefühlt. Kaisersöhne, Bernsteinhändler, römische Legionäre. Willkommen auf der B179, der Fernpassstraße.

Es gibt Straßen, die einfach von A nach B führen. Und dann gibt es Straßen, die eine eigene Geschichte erzählen – mit jedem Kilometer, jeder Kurve, jeder Baumgruppe am Hang. Die Bundesstraße 179, besser bekannt als Fernpassstraße, gehört zur zweiten Kategorie. Sie ist eine der aufregendsten Alpenpassrouten Europas, ein lebendiges Stück Kulturgeschichte und – für alle, die wissen, wo sie hinschauen müssen – ein Naturwunder ersten Ranges.

Du wirst nicht vergessen, wie du zum ersten Mal über den Fernpass fährst. Versprochen.


Teil I: Ein Pass zwischen Giganten – Geografie und Lage

Der Fernpass liegt im österreichischen Bundesland Tirol und ist Teil der sogenannten Reschenroute – jener Nord-Süd-Achse durch die Alpen, die seit Jahrtausenden Menschen, Waren und Ideen verbindet. Auf einer Höhe von 1.216 Metern überquert die B179 den Scheitel des Passes und verbindet das Außerfern im Norden mit dem Inntal und dem Raum Imst/Nassereith im Süden.

Was die Lage dieses Passes besonders macht, ist seine Einbettung in eine alpine Kulisse der Superlative. Im Westen ragen die Lechtaler Alpen auf, im Osten schiebt sich das Mieminger Gebirge ins Bild – und nur rund 13,5 Kilometer nordöstlich der Passhöhe thront die Zugspitze (2.962 m), der höchste Berg Deutschlands, wie ein steinerner Wächter über das gesamte Panorama.

„Der Fernpass liegt nicht einfach zwischen Bergen – er liegt zwischen Welten. Nördlich davon das Außerfern, südlich die Inn- und Gurgltal-Region. Zwei Lebenswelten, getrennt durch einen Scheitelrücken, verbunden durch Jahrtausende Geschichte."

Die Passhöhe selbst liegt eingeklemmt zwischen dem Grubigstein (2.233 m) im Nordwesten, dem Wannig (2.493 m) im Südosten und dem Loreakopf (2.471 m) im Westen. Das ergibt eine Tallandschaft, die trotz ihrer Erschlossenheit erstaunlich wild und urwüchsig wirkt – ein Effekt, den die zahlreichen Bergseen noch verstärken.

Über die anschließende Ehrwalder Straße (B187) und die Mieminger Straße (B189) entstehen Verbindungen nach Garmisch-Partenkirchen in Deutschland sowie zu den Tiroler Orten Mieming und Telfs. Der Fernpass verbindet damit nicht nur das Lechtal mit dem Inntal, sondern auch das Loisachtal mit dem Gurgltal – eine Drehscheibe der alpinen Mobilität, die ihresgleichen sucht. Die maximale Steigung auf der Passstraße beträgt 8 Prozent, der Höhenunterschied von Reutte zur Passhöhe rund 359 Meter – hinab nach Telfs sind es sogar 579 Höhenmeter, ein Unterschied, der auf der Südrampe spürbar wird.


Teil II: Ein Bergsturz schuf eine Landschaft – Die Entstehungsgeschichte

Bevor der erste Mensch diesen Pass überquert hat, hat die Natur hier selbst für spektakuläre Veränderungen gesorgt. Vor etwa 10.000 Jahren – nach dem Ende der letzten Eiszeit – erschütterte ein gewaltiger Bergsturz die Region. Riesige Fels- und Schuttmassen donnerten ins Tal und füllten die Senken zwischen den Bergen auf.

Was zunächst wie eine geologische Katastrophe klingt, schuf eine der faszinierendsten Landschaften der Ostalpen. Denn wo früher Täler gähnten, entstanden nun flache Pässe – und wo die Schuttmassen das Wasser stauten, entstanden kristallklare Bergseen. Die sogenannten Tomahügel, die du entlang der Strecke immer wieder siehst, sind nichts anderes als erstarrte Schuttwellen dieses urzeitlichen Bergsturzes – stumme Zeugen eines Ereignisses, das die Topografie dieser Region für immer verändert hat.

Genau dieser Bergsturz ist es, dem die B179 einige ihrer schönsten Begleiter verdankt: die Fernpass-Seen. Der Blindsee, der Fernsteinsee, der Mittersee und der Weißensee liegen wie hingestreute Edelsteine entlang der Strecke und zählen zu den saubersten und malerischsten Bergseen der gesamten Alpen. Ihre Entstehung ist direkt mit dem geologischen Ursprung des Passes verknüpft – ein Zusammenhang, der die Schönheit dieser Gewässer noch tiefsinniger macht.


Teil III: 2.000 Jahre unterwegs – Die Geschichte der Via Claudia Augusta

Man kann es sich kaum vorstellen, aber wenn du heute über den Fernpass fährst, rollst du über eine Route, die schon vor dem heutigen Straßenbelag auf eine mehr als 2.000-jährige Geschichte zurückblickt. Und das ist keine Übertreibung.

Bereits in der vorrömischen Zeit soll der Bernsteinhandel über den Fernpass geführt worden sein – archäologische Funde entlang der Zufahrtswege belegen Handelsbeziehungen, die von der Ostsee bis nach Oberitalien und sogar in den griechischen Raum reichten. Der Fernpass war schon damals mehr als nur eine Überquerungsmöglichkeit; er war ein Knotenpunkt der antiken Welt.

Kaiser Claudius und seine Straße

Den entscheidenden Ausbau erlebte der Weg in den Jahren 46 und 47 nach Christus, als die Römer auf der bereits bestehenden Reschenroute die erste befestigte Straße errichteten. Benannt nach ihrem Auftraggeber, Kaiser Claudius, wurde sie zur Via Claudia Augusta – und für Jahrhunderte zur wichtigsten Verbindung zwischen dem süddeutschen Raum und Norditalien.

Dass diese Straße so bedeutsam werden konnte, lag an ihren Vorzügen gegenüber der Alternativroute, der Brennerroute: Die Via Claudia Augusta war im Winter relativ sicher vor Lawinengefahren, kaum von Hochwasser bedroht und wies keine besonders steilen oder gefährlichen Wegabschnitte auf. In einer Zeit, in der eine Alpenüberquerung im wahrsten Sinne lebensgefährlich sein konnte, waren das keine Kleinigkeiten.

„Die Via Claudia Augusta war lange Zeit die wichtigste deutsch-italienische Alpenverbindung überhaupt – sicherer als der Brenner, weniger tückisch als andere Routen. Wer damals etwas zu transportieren hatte, wählte den Fernpass."

Von der Oberen Straße zum modernen Asphalt

Im Mittelalter wurde die Route auch als „Obere Straße" bezeichnet – im Gegensatz zur „Unteren Straße", also der Brennerroute. Erst im späten Mittelalter verlor der Fernpass etwas an Bedeutung, als auf dem Abschnitt zwischen Pass und Landeck ein frühmittelalterliches Mautsystem eingeführt wurde, um die Strecke zu erneuern und zu erhalten.

Heute liegt über den alten Römerweg ein geschotterter Wanderpfad, der abseits der Bundesstraße Wanderer und Radfahrer aufnimmt. An manchen Stellen sind die Überreste der antiken Via Claudia Augusta noch sichtbar – ein Schauer läuft einem den Rücken hinunter, wenn man realisiert, auf welch alten Spuren man geht.

Historische Zeitlinie:

  • Vorrömische Zeit: Bernsteinhandel über den Fernpass, erste Wegbauten
  • 46/47 n. Chr.: Ausbau zur Via Claudia Augusta unter Kaiser Claudius
  • Mittelalter: „Obere Straße", wichtigste deutsch-italienische Verbindung
  • Spätes Mittelalter: Einführung eines Mautsystems auf dem Abschnitt Fernpass–Landeck
  • 1856: Neubau und Verlegung der Fernpassstraße samt Brücke am Fernsteinsee
  • 1984: Eröffnung des Lermoostunnels zur Entlastung der Ortsdurchfahrten

Teil IV: Smaragde am Wegrand – Die Bergseen des Fernpasses

Wenn du auf der B179 unterwegs bist und nicht bei den Seen anhältst, hast du die halbe Reise verschlafen. Entlang der Nordrampe des Fernpasses reiht sich See an See – und keiner gleicht dem anderen.

Der Blindsee: eine Unterwasserwelt wie aus einem anderen Zeitalter

Der Blindsee ist der größte der Fernpass-Seen und ein absolutes Muss für alle, die tauchen. Die Unterwassersicht reicht bis zu 30 Meter – ein Wert, der selbst in kristallklaren Bergseen selten erreicht wird. Was den Blindsee zusätzlich faszinierend macht: Im Winter 1984 begrub ein massiver Hangrutsch nach extremen Schneefällen ganze Baumgruppen unter der Wasseroberfläche. Heute bilden diese Stämme, Äste und Wurzeln ein gespenstisches Unterwasser-Forest, das Taucher aus der ganzen Welt anzieht.

Der Name „Blind" hat übrigens nichts mit schlechter Sicht zu tun – ganz im Gegenteil. Er bedeutet, dass der See weder einen sichtbaren Zu- noch einen Abfluss hat. Ein stilles, in sich geschlossenes Gewässer, das sein Wasser hütet wie ein Geheimnis.

Der Fernsteinsee: wo Könige Urlaub machten

Am Fernsteinsee wartet das wohl romantischste Ziel der gesamten Route: das Schloss Fernstein, heute ein Hotelkomplex, der direkt an den Fels gebaut wurde und den See als Naturschwimmbad nutzt. Die Zimmer sind im Stil Ludwigs II. eingerichtet – kein Zufall, denn der bayerische Märchenkönig soll sich hier Zimmer auf Lebenszeit und auf Staatskosten reserviert haben.

Das Schloss war über Jahrhunderte ein Treffpunkt von Kaisern und Königen. Noch bis 1856 führte die alte Fernpassstraße direkt am Schloss vorbei – erst dann wurde sie ein Stück verlegt und die heutige Brücke über den See errichtet. Auf der Insel mitten im Fernsteinsee liegen die Reste der mittelalterlichen Jagdburg Sigmundsburg – ein Geheimtipp für Taucher, die Geschichte hautnah erleben wollen. 2022 wurde Schloss Fernstein zum schönsten Platz Tirols gekürt.

Der Weißensee und der Mittersee

Kurz nach Biberwier empfängt dich der Weißensee – ein ruhiger Bergsee mit herrlichem Ausblick auf den Grubigstein und idealer Ausgangspunkt für Wanderungen entlang der Via Claudia Augusta. Der Mittersee liegt etwas abseits des Trubels und ist besonders in den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel noch über dem Wasser hängt, von einer stillen, fast unwirklichen Schönheit.


Teil V: Von Reutte bis Imst – Die Route Schritt für Schritt

Die B179 ist kein Sprint, sondern ein Genussläufer. Wer die Strecke in vollen Zügen erleben will, nimmt sich Zeit – und fährt möglichst früh am Morgen oder unter der Woche los, um dem Urlauberverkehr zu entgehen.

Reutte (794 m) Start im Norden. Historische Kreisstadt im Außerfern, der Beginn aller Abenteuer auf der B179.

Lermoostunnel (3.168 m) Seit 1984 entlastet dieser Tunnel die Orte Lermoos, Biberwier und Ehrwald vom Durchgangsverkehr. Einröhrig, zwei Fahrspuren – eine der meistdiskutierten Engstellen der Route.

Biberwier – Lermoos – Ehrwald Das Tor zur Tiroler Zugspitz Arena. Drei Orte inmitten einer Talerweitung, direkt am Fuß der Zugspitze. Wandern, Klettern, Bergbahnen und Wintersport – hier könnte man schon bleiben, bevor die eigentliche Passfahrt beginnt.

Weißensee & Fernpass-Seengebiet Kurz nach Biberwier beginnt die Seenlandschaft. Weißensee, Blindsee und Mittersee folgen in rascher Abfolge – jeder ein Halt für sich.

Passhöhe (1.216 m) Das Rasthaus Zugspitzblick bietet Motorradparkplätze und eine Panoramaterrasse mit Blick auf Zugspitze und Blindsee. Unverzichtbarer Stopp – hier herrscht entsprechend Andrang.

Südrampe – Fernsteinsee Das absolute Highlight der Südrampe. Schloss Fernstein, Taucherparadies, historisches Herz der Route.

Nassereith (842 m) Letzte große Ortschaft vor Imst. Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem alten Römerweg hinauf zur Nassereither Alm.

Tarrenz / Imst (827 m) Südlicher Abschluss der Route. Anschluss an die Inntalautobahn (A12). Weiterfahrt nach Innsbruck, in Richtung Reschenpass oder zum Stift Stams möglich.

Praktische Infos für deine Fahrt:

  • Die B179 ist ganzjährig geöffnet, im Winter bei Schnee- und Eisglätte aber anspruchsvoll – Winterreifen sind Pflicht.
  • Für die Fahrt auf der B179 selbst ist derzeit keine Maut fällig.
  • An Spitzentagen zählt die Strecke bis zu 31.300 Fahrzeuge – dann sind Staus vorprogrammiert. Früh starten oder Wochentag wählen.
  • Radfahrer dürfen den Lermoostunnel nicht passieren und fahren über Biberwier auf der alten Trasse.
  • Das Rasthaus Zugspitzblick an der Passhöhe bietet genug Motorrad-Stellplätze und hausgemachte Küche.
  • Aktuelle Verkehrslage: Webcam des Landes Tirol unter tirol.gv.at/verkehr.

Teil VI: Panorama, das Atemzüge kostet – Natur und Aussichten

Wer einmal an einem klaren Herbsttag auf dem Parkplatz unterhalb der Passhöhe gestanden hat, versteht sofort, warum der Fernpass zu den meistbefahrenen Alpenpässen der Ostalpen zählt – und warum so viele Menschen trotz möglicher Staus immer wieder wiederkommen. Das Panorama ist schlicht überwältigend.

Die Zugspitze, von hier aus in ihrer vollen Mächtigkeit sichtbar, dominiert den nördlichen Horizont. Das Wettersteinmassiv dahinter bildet eine natürliche Kulisse, die wirkt wie gemalt. Gleichzeitig öffnet sich im Süden das Inntal-Panorama mit den Lechtaler Alpen im Westen und der Mieminger Kette im Osten – ein 360-Grad-Erlebnis, das man nicht auf einem Bildschirm reproduzieren kann.

Durch malerische Wälder – die Fahrt selbst als Erlebnis

Nicht nur die Aussichtspunkte machen die B179 besonders, sondern die Strecke als Gesamtkunstwerk. Die Straße führt durch malerische Misch- und Tannenwälder, die im Herbst in einem Feuerwerk aus Rot, Orange und Gold erstrahlen. Im Frühling schimmern die Hänge in zartem Grün, während die Gipfel noch schneebedeckt sind – ein Kontrast, der die Seele berührt.

Die Fahrbahn selbst ist gut ausgebaut und bietet fahrtechnisch genug Abwechslung, um das Fahren zur reinen Freude zu machen – ohne dabei so anspruchsvoll zu sein, dass Ungeübte überfordert werden. Für Motorradfahrer ist die B179 deshalb ein Klassiker: überschaubare Steigungen, schöne Kurvenführung, unvergleichliche Kulisse.

Abseits der Straße: die andere B179

Was viele nicht wissen: Parallel zur Bundesstraße verläuft ein alter geschotterter Pfad, der dem historischen Verlauf der Via Claudia Augusta folgt. Hier sind Radfahrer und Wanderer unter sich – die Motorisierungshektik der B179 rückt in weite Ferne. Der Weg führt direkt am Schloss Fernstein vorbei, an herrlichen Seenufern entlang und bietet Aussichtspunkte mit freiem Blick auf die Zugspitze, die von der Straße aus so nicht zu erreichen sind.


Teil VII: Zwischen Idyll und Stau – Verkehr, Tunnel und Zukunft

So verführerisch die B179 ist – sie hat auch ihre Schattenseiten. Die Fernpassstraße zählt zu den meistbefahrenen Alpenübergängen der Ostalpen, und besonders an Urlaubswochenenden verwandelt sich das Idyll regelmäßig in einen kilometerlangen Stau. Im Tagesdurchschnitt nutzen rund 16.700 Fahrzeuge die Strecke; an Spitzentagen sind es bis zu 31.300 – ein Wert, der die einspurige Infrastruktur regelmäßig an ihre Grenzen bringt.

Die Stauzonen erstrecken sich dabei nicht nur auf die Fernpassstraße selbst, sondern reichen weit auf das deutsche Autobahnende der A7 zurück, bis zur Abfahrt Nesselwang und dem Grenztunnel Füssen. Blockabfertigungen sollen den Tunnel entlasten, doch wenn die gestauten Fahrzeuge auf Nebenstraßen ausweichen, geraten die kleinen Ortschaften entlang der B179 schnell an den Rand des Kollapses.

Der Lermoostunnel: Entlastung seit 1984

Einen wichtigen Schritt zur Verkehrsberuhigung brachte die Eröffnung des Lermoostunnels im Jahr 1984. Der 3.168 Meter lange Straßentunnel durchquert die Ostflanke des Grubigsteins und entlastet die Ortschaften Lermoos, Biberwier und Ehrwald vom Durchgangsverkehr. Er ist eines der wichtigsten Verbindungsglieder zwischen der deutschen A7 und der österreichischen A12 Inntalautobahn.

Allerdings ist der Tunnel einröhrig – und genau das ist seit Jahren Gegenstand politischer Diskussionen. Eine zweite Röhre und ein weiterer Ausbau der Fernpassstraße werden von der Tiroler Landesregierung bisher abgelehnt, aus Sorge, damit noch mehr Verkehr anzuziehen. Im österreichisch-deutschen Staatsvertrag von 1987 wurde ohnehin ausdrücklich nur der Bau einer Röhre vereinbart.

Die Zukunft: Tunnel, Tonnagebeschränkung und offene Fragen

Geplant und diskutiert wird hingegen ein Fernpass-Scheiteltunnel – ein rund 1.360 Meter langes Bauwerk, das die Katzenberg-Kurve entschärfen und den Verkehr flüssiger machen soll. Die veranschlagten Baukosten: rund 100 Millionen Euro. Ob und wann das Projekt realisiert wird, bleibt offen.

Klar ist: Die Tonnagebeschränkung für Schwerfahrzeuge auf der B179 ist ein wesentlicher Faktor, der die Route vor einem vollständigen Ausufern des Güterverkehrs bewahrt hat – und deren Abschaffung von den Anrainern entsprechend gefürchtet wird. Die Diskussion darüber, wie viel Verkehr eine der schönsten Passstraßen Europas tragen kann und soll, ist noch lange nicht abgeschlossen.


Teil VIII: Mehr als nur Durchfahrt – Aktivitäten entlang der B179

Der größte Fehler, den du auf dieser Strecke machen kannst, ist es, sie nur als Transitroute zu nutzen. Die B179 und der Fernpass sind ein Urlaubsziel für sich – mit einem Angebot, das vom Tauchen bis zum Ski alpin, vom Königsschloss bis zur römischen Archäologie reicht.

Tauchen im Blindsee oder Fernsteinsee Zwei der klarsten Bergseen der Alpen, mit Sichtweiten bis 30 Meter. Der versunkene Baumwald im Blindsee und die Ruine der Sigmundsburg im Fernsteinsee sind absolute Highlights für Taucher.

Wandern auf der Via Claudia Augusta Der geschotterte Fernpassübergang abseits der Bundesstraße führt direkt auf den Spuren der Römer. Vom Weißensee über den Blindsee bis hinunter nach Nassereith – ein Erlebnis zwischen Geschichte und Natur.

Motorradtour rund um die Zugspitze Der Fernpass zählt zu den schönsten und einfachsten Alpenrouten für Motorradfahrer. Als klassische Runde bietet sich die Umrundung der Zugspitze an: Start in Garmisch-Partenkirchen, über Ehrwald und den Fernpass nach Nassereith, weiter über Obsteig, das Mieminger Plateau nach Telfs und zurück über Innsbruck – rund 120 Kilometer alpines Fahrerlebnis.

Tiroler Zugspitz Arena Die Region um Lermoos, Ehrwald und Biberwier bietet Bergbahnen, Trails und Wanderwege mit unvergleichlichem Zugspitz-Panorama – Winter wie Sommer. Am Grubigstein bei Lermoos warten außerdem Trails und Freeridestrecken für Mountainbiker.

Schloss Fernstein Übernachtung oder Einkehr im wohl romantischsten Hotel Tirols, direkt am See, im Stil Ludwigs II. eingerichtet und 2022 zum schönsten Platz Tirols gekürt.

Ausflüge in der Region Von der B179 aus sind das König-Ludwig-Festspielhaus, Schloss Landeck, die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, das Bergkloster Ettal, die Wallfahrtskirche Maria Locherboden, Innsbruck mit dem Goldenen Dachl, das weltbekannte Stift Stams und die Swarovski Kristallwelten problemlos erreichbar.


Fazit: Eine Straße, ein Versprechen

Es gibt Routen, die man einmal fährt und vergisst. Die B179 über den Fernpass ist keine davon. Sie ist eine Straße, die sich in das Gedächtnis einschreibt – durch das Blau der Seen, das Grün der Wälder, das Weiß der Gipfel und das Wissen, dass unter dem Asphalt noch immer der Stein liegt, den vor 2.000 Jahren römische Legionäre geglättet haben.

Sie verbindet nicht einfach Reutte mit Nassereith. Sie verbindet Zeitalter. Sie verbindet Kulturen. Und sie verbindet dich – wenn du dich darauf einlässt – mit einer Art des Reisens, die schon längst vergessen schien: langsam, aufmerksam, staunend.

„Der Fernpass ist eine der schönsten und einfachsten Alpenrouten Europas – aber vor allem ist er eine Einladung, langsamer zu werden und hinzuschauen. Denn wer hier nicht hält, der verpasst das Beste."

Also: Pack deine Sachen. Fahr früh los. Halt an den Seen an. Schau auf die Zugspitze. Und lass dir beim Fernsteinsee ein bisschen Zeit – König Ludwig hatte schließlich auch keinen Grund zur Eile.