Die Romantische Straße

Dein unvergesslicher Roadtrip von Würzburg bis Füssen

Eine Reise durch 2.000 Jahre Geschichte, Märchen, Magie und Berge – 460 Kilometer, die dein Herz höherschlagen lassen


Du träumst davon, durch ein Deutschland zu fahren, das aussieht wie aus einem Bilderbuch? Durch mittelalterliche Städte, in denen die Zeit stehenzugeblieben scheint? An Schlössern vorbei, die selbst Disney-Illustratoren zur Inspiration dienten? Dann gibt es eine Route, die du kennen musst – die Romantische Straße. Sie ist nicht einfach eine Ferienstraße. Sie ist ein Versprechen. Ein Versprechen auf Magie, auf Geschichte, auf Kulinarik und auf eine der dramatischsten Alpenkulissen, die Mitteleuropa zu bieten hat.

Von Würzburg im fränkischen Norden bis nach Füssen, dem Tor zu den Königsschlössern im tiefen Allgäu, führt diese legendäre Route durch 29 Orte, durch vier Jahrhunderte Baukunst, durch Weinberge, Flusstäler, Kraterlandschaften und schließlich bis an den Fuß der schneebedeckten Alpen. Wer einmal auf der Romantischen Straße unterwegs war, versteht sofort, warum sie zu den bekanntesten und meistbesuchten Reiserouten Europas gehört.

Lass uns gemeinsam die Koffer packen – und diese Reise beginnen.


Was die Romantische Straße so besonders macht – Ein Blick hinter den Namen

Der Name klingt verlockend, ja. Aber steckt da mehr dahinter als geschicktes Marketing? Die Antwort ist ein klares Ja – und die Geschichte dahinter ist sogar selbst ziemlich romantisch.

Nur fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Deutschland noch in Trümmern lag, taten sich die Bürgermeister von Würzburg, Rothenburg ob der Tauber, Augsburg und Füssen zusammen. Sie wollten ihren Städten eine Zukunft geben – und Deutschland ein neues Gesicht zeigen. Am 10. Januar 1950 wurde die Romantische Straße offiziell ins Leben gerufen. Ihre erste Zielgruppe: US-amerikanische Besatzungssoldaten, die in der amerikanischen Besatzungszone stationiert waren und das Land, in dem sie lebten, entdecken wollten. Was als "Romantic Road" begann, wurde schnell zur Visitenkarte eines friedvollen, kulturreichen und offenen Deutschlands – und fasziniert seitdem Reisende aus aller Welt.

Heute zählt die Route jährlich über sieben Millionen Übernachtungen und rund 32 Millionen Tagesbesucher. Die Straßenschilder sind mittlerweile auch auf Japanisch beschriftet – ein Zeichen dafür, wie weit der Ruf dieser Route gereist ist.

Was die Romantische Straße von anderen Ferienrouten unterscheidet, ist ihre unglaubliche Vielfalt auf engstem Raum. Auf 460 Kilometern wechseln sich fränkische Weinlandschaften, das mysteriöse Nördlinger Ries (ein echter Meteoritenkrater!), mittelalterliche Fachwerkstädte, Barockbauten, Rokoko-Juwelen und schließlich majestätische Alpenkulissen ab. Du reist nicht nur durch Raum – du reist durch die Zeit.


Würzburg: Wo die Reise beginnt – und der erste Atem stockt

Stell dir vor, du stehst auf der Alten Mainbrücke in Würzburg, in der Hand ein Glas Frankenwein, über dir der blaue Himmel und vor dir eine der schönsten Städtsilhouetten Deutschlands. Das ist der Auftakt der Romantischen Straße – und er ist phänomenal.

Würzburg ist eine lebendige Universitätsstadt, die trotz aller Modernität ihren historischen Kern mit stolzer Würde trägt. Das absolute Herzstück ist die Würzburger Residenz, ein UNESCO-Weltkulturerbe von unvergleichlicher Eleganz. Der fürstbischöfliche Prachtbau, errichtet zwischen 1720 und 1744 von Stararchitekt Balthasar Neumann, gilt als eines der bedeutendsten Barockbauwerke der Welt. Napoleon, der hier zweimal zu Gast war, nannte sie den "größten Pfarrhof Europas" – wobei das als Kompliment gemeint war. Im Inneren wartet das größte Deckenfresko der Welt, gemalt vom venezianischen Meister Giovanni Battista Tiepolo. Wenn du durch den Treppenhaus-Saal schaust und die Decke auf dich einwirken lässt, begreifst du, was menschliche Vorstellungskraft und Handwerkskunst gemeinsam zu leisten vermögen.

Hoch über der Stadt thront die Festung Marienberg, eines der ältesten Bauwerke der Region, das seit dem 8. Jahrhundert die Skyline Würzburgs prägt. Der Blick von dort oben über das Maintal und die sanften Weinberge – das ist Fränkischer Barock zum Anfassen. Nicht verpassen: den Weg über die steinerne Alte Mainbrücke, gesäumt von zwölf Heiligenstatuen, der von Einheimischen und Reisenden gleichermaßen geliebt wird.

Und dann ist da natürlich der Frankenwein. Würzburg ist das Herz des fränkischen Weinbaus, und ein Glas Silvaner oder Müller-Thurgau aus dem charakteristischen Bocksbeutel gehört zu einem Besuch hier wie das Salz in die Suppe.

SEO-Tipp: Würzburg Residenz Öffnungszeiten, Parkplätze und aktuelle Eintrittspreise solltest du vor deinem Besuch prüfen – besonders in der Hauptsaison von Mai bis September sind Besucheranstürme normal.


Das Taubertal: Wo die Romantik ihren Namen verdient

Von Würzburg aus führt die Romantische Straße in das Taubertal – und schon hier verstehst du, warum man diese Route so benannt hat. Das sanfte Flusstal mit seinen Weinbergen, Weinberghäuschen, kleinen Dörfern und dem silbrig glänzenden Fluss ist eine der unberührtesten Landschaften Deutschlands.

Unterwegs passierst du Wertheim, eine verträumte Kleinstadt an der Mündung von Tauber und Main mit einer beeindruckenden Burgruine, die sich majestätisch über der Altstadt erhebt. Danach öffnet sich das Tal und du erreichst Bad Mergentheim, ehemalige Residenz des Deutschen Ordens. Das Deutschordensschloss ist ein architektonisches Highlight, und wer sich etwas Zeit gönnt, kann in einer der renommierten Thermalbäder der Stadt entspannen – denn Bad Mergentheim ist einer der bedeutendsten Kurorte Baden-Württembergs.

Nur einen kurzen Abstecher entfernt liegt Weikersheim mit seinem prachtvollen Renaissanceschloss und dem dazugehörigen Barockgarten. Der Schlossgarten gilt als einer der besterhaltenen seiner Art in Deutschland – ein stilvoller Ort, an dem du bei einem Spaziergang zwischen Orangenbäumen und Sandsteinskulpturen die Seele baumeln lassen kannst.


Rothenburg ob der Tauber: Das Mittelalter, das nie aufgehört hat zu existieren

Es gibt Orte, über die du gelesen, Fotos gesehen und Beschreibungen gehört hast – und dann stehst du davor und bist trotzdem überwältigt. Rothenburg ob der Tauber ist so ein Ort.

Hoch über dem Taubertal, von einer vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer umgeben, liegt eine Stadt, die aussieht, als hätte jemand das 15. Jahrhundert eingefroren. Und das ist nicht übertrieben. Rothenburg hat Kriege, Pest, Wirtschaftskrisen und Modernisierungswellen überstanden, ohne seinen historischen Kern zu verlieren. Das Ergebnis ist ein lebendiges Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht.

Die kopfsteingepflasterten Gassen, gesäumt von Fachwerkhäusern in warmen Ockertönen, führen dich am Marktplatz vorbei, wo das Rathaus (halb gotisch, halb Renaissance) die Szenerie beherrscht. Pflichtprogramm ist der Stadtmauergang – du kannst die gesamte Mauer weitgehend obenauf ablaufen und bekommst dabei Ausblicke auf rote Dächer, Türme und das Taubertal, die du so schnell nicht vergessen wirst.

Weniger bekannt, aber absolut sehenswert: das Kriminalmuseum, das in einem mittelalterlichen Klosterbau bizarre Folterwerkzeuge und mittelalterliches Strafrecht präsentiert – erschreckend und faszinierend zugleich. Und dann ist da noch der Schneeball – das lokale Gebäckstück, das in Rothenburger Bäckereien in hundert Variationen angeboten wird. Ob klassisch mit Puderzucker oder in der modernen Schokoladenvariante: ein Muss.

Wenn du kannst, übernachte in Rothenburg. Denn wenn die Tagesbesucher gegangen sind und die Abendsonne die Stadtmauer in warmes Gold taucht, gehört dieses mittelalterliche Kleinod ganz dir allein.


Dinkelsbühl: Rothenburgs stille Schwester – und mindestens genauso beeindruckend

Wer Rothenburg liebt, wird Dinkelsbühl vergöttern. Denn während Rothenburg oft dicht belagert ist, empfängt dich das nur wenige Kilometer entfernte Dinkelsbühl mit einer fast schon intimen Atmosphäre.

Auch Dinkelsbühl ist eine ehemalige Freie Reichsstadt mit vollständig erhaltenem Stadtmauerring aus dem 14. Jahrhundert. Die Mauer ist über 2,5 Kilometer lang, mit 18 Türmen und vier Stadttoren – und kann ebenfalls komplett obenauf begangen werden. Das gotische Münster St. Georg ist eines der bedeutendsten spätgotischen Kirchengebäude in Süddeutschland, und sein schlanker Turm prägt die Silhouette der Stadt wie kein anderes Bauwerk.

Was Dinkelsbühl außerdem einzigartig macht: Die Stadt hat keine Bomben im Zweiten Weltkrieg abbekommen. Kein einziges Haus musste neu aufgebaut werden. Du läufst also durch eine Stadt, die zu hundert Prozent echt ist – jedes Haus, jede Gasse, jeder Brunnen. Diese Authentizität spürt man.

Ein Geheimtipp: Der ca. drei Kilometer lange Grüngürtel rund um die Stadtmauer lädt zu einem entspannten Spaziergang ein. Von außen betrachtet wirkt die mittelalterliche Silhouette wie ein Gemälde – ein perfektes Fotomotiv zu jeder Tages- und Jahreszeit.


Das Nördlinger Ries: Wo ein Meteorit Geschichte schrieb

Zwischen Dinkelsbühl und Nördlingen verändert sich die Landschaft. Du befindest dich jetzt in einer der außergewöhnlichsten geologischen Formationen Europas: dem Nördlinger Ries. Was wie ein sanftes, kreisrundes Becken wirkt, ist tatsächlich ein Einschlagkrater, den ein Meteorit vor etwa 14,5 Millionen Jahren hinterlassen hat. Der Krater hat einen Durchmesser von rund 25 Kilometern – du fährst also buchstäblich durch Erdgeschichte.

Und mittendrin liegt Nördlingen – eine Stadt mit einem völlig einzigartigen Alleinstellungsmerkmal: Sie ist die einzige Stadt Deutschlands mit einer vollständig erhaltenen und rundherum begehbaren Stadtmauer. Vom Stadtturm "Daniel" aus – dem Turm des gotischen Münsters St. Georg – überblickst du den gesamten Kraterrand. Ein Ausblick, der keine anderen Maßstäbe kennt.

Das Rieskratermuseum gibt faszinierende Einblicke in die Entstehung des Nördlinger Rieses und zeigt sogar Mondgesteine aus der Apollo-14-Mission – denn NASA-Astronauten nutzten das Ries einst zum Training für ihre Mondlandungen. Wer hätte gedacht, dass eine kleine Stadt in Bayern einmal eine Rolle in der Raumfahrtgeschichte spielen würde?


Harburg und Donauwörth: Burgen und Flussgold

Auf dem Weg nach Süden passierst du Harburg – und allein schon dafür lohnt es sich, kurz anzuhalten. Die Burg Harburg thront auf einem Felsen über der Wörnitz und ist eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Deutschlands. Seit dem 11. Jahrhundert steht sie hier und schaut auf die Täler herab – und das ist deutlich spürbar. Geh rein, kauf dir einen Kaffee in der Burgschänke und gönn dir einen Moment Geschichte.

Kurz danach erreicht die Route Donauwörth, wo sich Wörnitz und Donau vereinen. Die malerische Reichsstraße mit ihren bunten Bürgerhäusern ist einen Bummel wert, und wer mag, kann am Donauufer ein wenig verschnaufen, bevor es weitergeht nach Augsburg.


Augsburg: 2.000 Jahre Geschichte – und die Wiege des sozialen Wohnungsbaus

Wer Augsburg nur als Durchgangsstation betrachtet, macht einen Fehler. Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands, gegründet vor über 2.000 Jahren von den Römern – und noch heute spürt man diese lange Geschichte in jedem Winkel.

Das absolute Wahrzeichen ist das Rathaus mit seinem Goldenen Saal – ein Renaissance-Juwel, das an Prunk und handwerklicher Vollendung kaum zu überbieten ist. Daneben ragt der Perlachturm in den Himmel, von dem du einen atemberaubenden Blick über die Stadt genießt.

Aber Augsburg hat noch ein ganz besonderes Ass im Ärmel: die Fuggerei. Gegründet im Jahr 1521 vom Kaufmann Jakob Fugger, ist sie die älteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt. Hier leben noch heute Menschen für eine symbolische Jahresmiete von 88 Cent – plus drei tägliche Gebete für die Seele des Stifters. Besucher können durch die gepflegten Gassen der kleinen Wohnsiedlung spazieren und sich vorstellen, wie das Leben hier über Jahrhunderte ausgesehen haben mag.

Die Maximilianstraße mit ihren stattlichen Fuggerhäusern ist eine der schönsten Renaissance-Prachtstraßen Deutschlands – und wer Zeit hat, sollte auch das Fuggerhaus und den Dom besuchen, der zu den ältesten Bischofssitzen des bayerischen Schwabens gehört.


Landsberg am Lech: Die unterschätzte Perle des Lechrains

Auf dem weiteren Weg nach Süden folgt die Romantische Straße dem Lech – und führt dich nach Landsberg am Lech, einer Stadt, die im großen Schatten ihrer berühmteren Nachbarn oft untergeht. Dabei hat sie es verdient, in den Mittelpunkt gerückt zu werden.

Einst von Heinrich dem Löwen gegründet und als wichtige Station des Salzhandels bedeutend, hat Landsberg eine prächtige Altstadt bewahrt, die sich auf einem Steilhang über dem Lech aufbaut. Der Brunnenmarkt, das mächtige Bayertor (eines der schönsten gotischen Stadttore Bayerns), die bunten Bürgerhäuser und das Lechwehr ergeben zusammen ein Stadtbild von außergewöhnlicher Schönheit.

Das Lechwehr, ein historisches Wehr mitten im Fluss, ist ein beliebter Treffpunkt und bietet eine Kulisse, die dich vergessen lässt, dass du eigentlich weiterkommen wolltest.


Der Pfaffenwinkel: Wo Rokoko und Alpenpanorama aufeinandertreffen

Hinter Landsberg öffnet sich die Welt. Die Route taucht ein in den Pfaffenwinkel, die südbayerische Landschaft zwischen Lech und Loisach, die ihren Namen der außergewöhnlich hohen Dichte an Klöstern und Kirchen verdankt. Hier fühlst du, wie die Alpen näher kommen – die Luft wird klarer, die Wiesen saftiger, und am Horizont erscheinen die ersten weißen Gipfel.

Schongau begrüßt dich mit einer runden, mauerbewehrten Altstadt auf einem Hügel über dem Lech – kompakt, idyllisch, ohne Touristenmassen.

Dann kommt Steingaden – und damit eines der stillen Wunder der Romantischen Straße: Die Wieskirche. Dieses Rokoko-Kleinod, mitten auf einer Almwiese stehend, als würde es einfach so dort gewachsen sein, ist UNESCO-Weltkulturerbe. Kaum ein Kirchengebäude in Deutschland hat eine so berauschende Innenausstattung: Stuckaturen, Fresken und Vergoldungen explodieren im besten Sinne vor deinen Augen. Draußen Kuhglocken, drinnen Paradies. Man muss das erlebt haben.

Rottenbuch und sein Augustiner-Chorherrenstift setzen den Reigen fort – Barockpracht in beschaulichem Rahmen, mit dem Rottenbuchabdruck als architektonischem Fingerabdruck der Epoche.


Schwangau: Wo das Märchen Wirklichkeit wird

Und dann – nach all den wunderbaren Städten, Kirchen, Burgen und Landschaften – siehst du es das erste Mal. Weiß, kühn, wie in Stein gebaute Fantasie: Schloss Neuschwanstein. Und selbst wenn du es hundertmal auf Fotos gesehen hast, der erste echte Anblick trifft dich ins Mark.

Schwangau, der letzte Ort vor Füssen, ist die Heimat der zwei berühmtesten Königsschlösser der Welt. Neuschwanstein, das König Ludwig II. als persönlichen Rückzugsort erbauen ließ und das bis zu seinem Tod 1886 nie vollendet war, thront auf einem Felsen über dem Pöllattal wie aus einem anderen Jahrhundert – was es eigentlich auch ist. Der märchenhafte Bau, inspiriert von den Opern Richard Wagners, sollte Wirklichkeit gewordene Romantik sein. Er ist es bis heute.

Direkt darunter liegt Schloss Hohenschwangau, das gelbe Schloss, in dem Ludwig II. seine Kindheit verbrachte. Es ist weniger bekannt als sein berühmter Nachbar, aber architektonisch und historisch mindestens ebenso faszinierend. Die detailreichen Fresken im Inneren erzählen Sagen und Legenden, und man spürt, dass hier nicht nur gewohnt, sondern geträumt wurde.

Beim Besuch solltest du dir unbedingt Zeit für die Marienbrücke nehmen – eine schmale Hängebrücke über die Pöllatschlucht, von der aus man das legendärste Foto von Neuschwanstein schießen kann. Früh morgens, wenn die Tagestouristen noch nicht da sind, ist dieser Moment fast magisch.

Tipp: Tickets für beide Schlösser müssen im Voraus online gebucht werden. Besonders in der Hauptsaison sind Spontanbesuche kaum möglich.


Füssen: Das krönende Finale – und viel mehr als nur ein Endpunkt

Nach all diesen Eindrücken erreichst du das Ziel: Füssen. Und Füssen ist keine bloße Endstation – es ist eine Offenbarung. Mit 808 Metern über dem Meeresspiegel ist es die höchstgelegene Stadt Bayerns und liegt direkt am Fuß der Allgäuer Alpen, eingebettet zwischen Forggensee, Weißensee, Hopfensee und dem schimmernden Alatsee.

Die Altstadt von Füssen: Südliches Flair trifft bayerische Geschichte

Füssens Altstadt verströmt ein fast schon südländisches Flair. Die Reichenstraße – die autofreie Hauptachse der Altstadt – ist gesäumt von bunt bemalten Häusern, Straßencafés und kleinen Boutiquen. Hier läuft das Leben in gemächlichem Tempo ab, das man nach einem langen Roadtrip besonders zu schätzen weiß.

Das Hohe Schloss mit seinen Kastenerkern, seinen Trampetentürmen und den täuschend echten Trompe-l'œil-Fassadenmalereien überragt die Altstadt. Es war jahrhundertelang Sommerresidenz der Augsburger Fürstbischöfe – heute beherbergt es die Staatsgalerie mit bedeutenden Kunstwerken des Spätmittelalters und der Renaissance.

Das ehemalige Benediktinerkloster St. Mang ist eines der ältesten im Allgäu. Die barocke Klosteranlage mit ihrer ovalen Bibliothek und dem prachtvollen Kaisersaal ist ein Ort der Stille inmitten des touristischen Trubels. Besonders interessant: die Ausstellung zur Geschichte Füssens als Stadt der Lauten- und Geigenbauer – denn Füssen war im 16. und 17. Jahrhundert das weltweite Zentrum des Lautenbaus, und von hier aus verbreitete sich das Handwerk über ganz Europa.

Der Lechfall: Natur pur – mitten in der Stadt

Nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt stürzt der Lech durch eine enge Schlucht in die Tiefe: der Lechfall. Dieses Naturschauspiel direkt am Stadtrand ist völlig kostenlos und dennoch einer der eindrucksvollsten Naturmomente der gesamten Reise. Der donnernde Wasserfall, die türkisfarbenen Strudel, die tiefe Schlucht darunter – hier spürst du die Kraft der Alpen unmittelbar.

Der Forggensee: Bayerns Riviera zu deinen Füßen

Ein weiteres Highlight rund um Füssen ist der Forggensee – ein Stausee, der im Winter fast leer ist, im Sommer aber als Badesee der Region zum Mittelpunkt des Lebens wird. Wer die Königsschlösser aus einer völlig anderen Perspektive erleben möchte, bucht eine Schiffsrundfahrt auf dem Forggensee: Von hier aus bieten sich einzigartige Panoramablicke auf Neuschwanstein und Hohenschwangau, die kein Wanderweg der Welt so bieten kann.

Seenparadies rund um Füssen: Baden mit Alpenpanorama

Füssen hat nicht einen See – es hat zehn. Der Hopfensee gilt als "Allgäu-Riviera" mit goldenem Sandstrand und traumhafter Bergkulisse. Der Weißensee ist ein glasklarer Badesee mit flachen Ufern, ideal für Familien. Der Alatsee zwischen Füssen und Pfronten ist das geheimnisvolle Sorgenkind unter den Seen: Er leuchtet an manchen Tagen in einem irritierenden Rotton, verursacht durch schwefelliebende Bakterien in seiner Tiefe. Als Schauplatz eines bekannten Allgäu-Krimis hat er Kultstatus.

Der Kalvarienberg: Füssens bester Aussichtspunkt – fast unbekannt

Wer einen Geheimtipp sucht, steigt auf den Kalvarienberg, einen Hügel direkt gegenüber der Altstadt. Von hier aus überblickt man nicht nur Füssen und den glitzernden Hopfensee – man sieht auch direkt auf Neuschwanstein und Hohenschwangau. Und die Aussicht beim Sonnenuntergang? Einfach unfassbar.


Praktische Reisetipps für deine Fahrt auf der Romantischen Straße

Die beste Reisezeit

Die Romantische Straße lässt sich ganzjährig bereisen, aber die beste Zeit liegt zwischen Mai und September. Im Frühling erwacht die Landschaft mit Apfelblüten und frischem Grün, im Sommer glänzen Seen und Berge, im September tauchen goldene Weinberge die Route in Farbe. Der Herbst hat seinen eigenen Reiz – weniger Touristen, dramatischeres Licht. Und wer die Romantische Straße an Weihnachten besucht, erlebt Rothenburg ob der Tauber mit Weihnachtsmarkt in einem Ausnahmezustand schier unwirklicher Schönheit.

Wie lange solltest du einplanen?

Theoretisch lässt sich die Strecke in zwei bis drei Tagen durchrasen. Aber das wäre ein Fehler. Wer wirklich eintauchen will, plant mindestens fünf bis sieben Tage ein. So bleibt Zeit für spontane Abstecher, Mittagspausen in Biergärten, ausgedehnte Spaziergänge auf Stadtmauern und die Begegnung mit der Stille, die manch einem dieser Orte innewohnt.

Wie reist man am besten?

Das Auto ist die flexibelste Variante und ermöglicht spontane Stopps, wo immer dich etwas fesselt. Wer nachhaltiger reisen möchte, greift zum Fahrrad – der Romantische Straße Radweg ist auf fast der gesamten Strecke gut beschildert und größtenteils asphaltiert. Für E-Bike-Fahrer gibt es entlang der Route zahlreiche Ladestationen. Es gibt auch eine Busverbindung (den Romantischen Straße Bus), der von Würzburg nach Füssen alle wichtigen Stationen verbindet.

Wo übernachten?

Entlang der gesamten Route gibt es ein dichtes Netz aus Hotels, Gasthöfen, Pensionen und Ferienwohnungen. Für unvergessliche Erlebnisse: Übernachte direkt in der Altstadt von Rothenburg (die Stimmung abends, wenn die Tagestouristen weg sind, ist unbezahlbar), in einem historischen Gasthof in Dinkelsbühl oder in einem Allgäuer Bauernhof rund um Füssen.

Was kosten Eintritte?

  • Würzburger Residenz: ca. 9 Euro
  • Schloss Neuschwanstein: ca. 15 Euro (nur mit Voranmeldung!)
  • Schloss Hohenschwangau: ca. 15 Euro (nur mit Voranmeldung!)
  • Wieskirche: Eintritt frei (Spende erbeten)
  • Fuggerei Augsburg: ca. 5 Euro

Romantische Straße im Jahreskreis: Jede Saison hat ihren Zauber

Die Route verändert ihr Gesicht mit den Jahreszeiten – und jede Saison hat ihre eigene Magie.

Im Frühling erwachen die Obstgärten entlang des Taubertals in voller Blüte, die Weinberge rund um Würzburg schieben zartes Grün hervor, und die Alpen hinter Füssen strahlen noch in frischem Weiß.

Im Sommer lädt der Forggensee zum Schwimmen ein, die Biergärten sind voll, und das lange Abendlicht macht Nördlingen und Rothenburg zu geradezu unwirklich schönen Kulissen für Abendspaziergänge.

Im Herbst brennen die Weinberge in Rot und Gold. Nördlingen und Dinkelsbühl feiern historische Feste in Tracht und mittelalterlichem Gewand. Und in Füssen beginnt die magische Zeit der klaren Alpentage.

Im Winter und zur Weihnachtszeit verwandelt sich die Route in eine Märchenlandschaft. Rothenburgs Weihnachtsmarkt und der "Reiterlesmarkt" in Dinkelsbühl gehören zu den schönsten und authentischsten in ganz Deutschland. Neuschwanstein im Schnee – das ist das Bild, das alle Welt träumt.


Warum die Romantische Straße dich immer wieder zurücklockt

Es gibt Reisen, die man einmal macht und abhakt. Und dann gibt es Reisen, die man jedes Jahr ein bisschen anders erlebt, weil man jedes Mal Neues entdeckt – eine Gasse, die man übersehn hat, ein Gasthof, den man nicht kannte, einen Moment der Stille an einem Ort, der eigentlich so bekannt ist.

Die Romantische Straße ist so eine Reise.

Sie hat die Tiefe einer langen Geschichte und die Leichtigkeit einer sommerlichen Ausfahrt. Sie verbindet UNESCO-Weltkulturerbe mit kleinen Dorfläden, die handgemachte Marmelade verkaufen. Sie führt dich durch Städte, die Walt Disney zu seinem Dornröschenschloss inspirierten – und gleichzeitig durch Landschaften, in denen du das Gefühl hast, du wärst der erste Mensch, der je dort entlanggegangen ist.

Von Würzburg bis Füssen wartet Deutschland auf dich – das echte, das tiefe, das märchenhafte Deutschland. Alles, was du brauchst, ist ein Auto, Neugier und Zeit.

Die Romantische Straße wartet. Und sie wird dich nicht enttäuschen.


Auf einen Blick: Die wichtigsten Fakten zur Romantischen Straße

Merkmal Details
Gesamtlänge ca. 460 Kilometer
Startpunkt Würzburg (Bayern/Franken)
Endpunkt Füssen (Ostallgäu)
Anzahl der Orte 29 Orte in Bayern und Baden-Württemberg
Gründungsjahr 10. Januar 1950
UNESCO-Welterbestätten Würzburger Residenz, Wieskirche bei Steingaden
Fahrzeit (ohne Stopps) ca. 6,5 Stunden
Empfohlene Reisedauer 5–7 Tage
Beste Reisezeit Mai bis September (auch Advent sehr empfehlenswert)
Reisemöglichkeiten Auto, Fahrrad, E-Bike, Bus (Romantischer Straße Bus)
Jährliche Besucher über 32 Millionen Tagesbesucher

Dieser Beitrag wurde mit Leidenschaft für eine der schönsten Reiserouten Europas verfasst. Alle Angaben ohne Gewähr – Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Reisebedingungen können sich ändern. Am besten informierst du dich vor deiner Reise direkt bei den jeweiligen Sehenswürdigkeiten und der offiziellen Website der Romantischen Straße unter romantischestrasse.de.