Eisenberg, Hohenfreyberg und Falkenstein im Allgäu

Drei Burgruinen, ein Königreich aus Stein

Stell dir vor, du stehst auf einem Felsrücken tief im bayerischen Allgäu, der Wind pfeift um zersplitterte Zinnen, und unter dir breitet sich ein Panorama aus, das aussieht, als hätte jemand die Alpen absichtlich für diesen Moment dort hingestellt. Drei Burgen. Drei Schicksale. Eine gemeinsame Geschichte, die blutig begann, trotzig weiterging und als stille Ruinenkulisse über dem Pfrontener Tal endet. Die Burgruinen Eisenberg, Hohenfreyberg und Falkenstein sind keine gewöhnlichen Ausflugsziele – sie sind steingewordene Lebensläufe, in die du buchstäblich hineinspazieren kannst. Und wer einmal oben stand, der kommt wieder.


Das Dreigestirn des Ostallgäus – Was diese Burgen so außergewöhnlich macht

Im Landkreis Ostallgäu, unweit von Pfronten und dem kleinen Ort Eisenberg-Zell, häufen sich auf engstem Raum drei Burgruinen, die zusammengenommen ein Burgensemble von nationalem Rang bilden. Das ist kein Zufall, sondern Machtpolitik in Reinform. Hier, an der mittelalterlichen Grenzlinie zwischen Bayern, Tirol und dem Hochstift Augsburg, haben drei verschiedene Dynastien ihre Stärke in Stein gehauen – jede auf ihre eigene Art, jede mit ihrem eigenen Charakter.

Was das Dreigestirn so besonders macht: Alle drei Ruinen haben denselben dramatischen Schlusspunkt ihrer Geschichte – den 15. September 1646, an dem die Tiroler Landesregierung alle drei Anlagen kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges im Zuge einer „Politik der verbrannten Erde" eigenhändig niederbrannte. Lieber zerstörte man das Eigene, als es den heranrückenden schwedischen und französischen Truppen zu überlassen. Seitdem schläft das Dreigestirn aus Stein seinen ewigen Schlaf über dem Tal – und zieht uns noch immer in seinen Bann.


Burg Eisenberg – Die älteste Trotzburg des Allgäus

Wut als Bauplan: Die Geburtsstunde von Eisenberg

Hinter der Gründung von Burg Eisenberg steckt eine Geschichte, die sich gut als Prolog für einen Mittelalterthriller eignen würde. Um das Jahr 1315 verlor der edelfreie Peter von Hohenegg seinen angestammten Stammsitz – die Burg Loch bei Pinswang im Außerfern – an die Tiroler, die sie kurzerhand mit Gewalt einnahmen. Anstatt klein beizugeben, tat Hohenegg das Einzige, was einem Ritter der damaligen Zeit würdig erschien: Er baute sich buchstäblich vor den Toren Tirols eine neue, noch stärkere Burg. Eisenberg war von Beginn an ein Statement – ein steinernes „Hier bleibe ich".

Die Wahl des Standortes war dabei bewusst provokativ: ein hoher Hügel auf bayerischem Boden, wenige Kilometer südlich der verlorenen Heimat, mit freier Sichtlinie nach Tirol. Hier sollte jeder sehen können, dass die Hohenegger nicht vertrieben, sondern allenfalls umgezogen waren.

Architektur einer Mantelmauerburg – Schönheit durch Wehrlogik

Schon beim ersten Blick auf Eisenberg wird klar: Diese Burg denkt anders. Der charakteristischste Zug der Anlage ist ihre extrem hohe Ringmauer, die wie ein gewaltiger Steinmantel alle inneren Gebäude umschließt – daher der Fachbegriff „Mantelmauerburg". Hinter diesem Schutzwall lehnten sich die eigentlichen Wohn- und Nutzbauten: zwei große Palasgebäude an der Nord- und Südseite, eine Burgkapelle neben dem Zugang sowie Nebengebäude für den täglichen Betrieb.

Was diese Konstruktion so wirkungsvoll machte: Die Mauer war keine bloße Umgrenzung, sie war selbst das Bollwerk. Angreifer, die sie überwanden, standen in einem engen Zwinger und hatten keine Chance, direkt in den Wohnbereich einzudringen. Die Palaste nutzten die Innenseite der Mauer als Rückwand – eine im Hochmittelalter ungewöhnlich effiziente Lösung.

Von den Freybergern zu Österreich – Mächtige Hände, die Eisenberg formten

Nach dem Aussterben der Hohenegger-Linie gelangte Eisenberg über Kaufverträge und Erbschaften in wechselnde Hände. 1382 erwarb Herzog Leopold III. von Österreich die Burg und Herrschaft – und damit zog die habsburgische Macht ein. Um 1390 belehnte er damit Friedrich von Freyberg, womit eine Verbindung begann, die die Burg für fast fünf Jahrhunderte prägen sollte. Die Freyberger sollten Eisenberg bis ins Jahr 1830 halten – eine bemerkenswert lange Kontinuität für eine mittelalterliche Burgherrschaft.

Der Bauernkrieg von 1525 – Zerstörung als Wendepunkt

Im Jahr 1525 erschütterte der große Bauernaufstand weite Teile des Heiligen Römischen Reiches. Auch Burg Eisenberg blieb nicht verschont: Aufständische Bauern besetzten die Anlage, beschädigten sie und hinterließen Verwüstung. Was folgte, ist jedoch eine der interessantesten Wendungen in der Burggeschichte: Die Entschädigungszahlungen der Bauern finanzierten den Wiederaufbau – und dieser fiel prächtiger aus als das Original.

Werner Volker von Freyberg ließ ab 1535 umfassend sanieren und erweitern. Das Ergebnis war eine modernisierte Anlage mit ganz konkreten Verbesserungen für das Leben auf der Burg:

  • Die Vorburg wurde neu befestigt und der Hauptzugang von der abgelegenen Ostseite auf die zugänglichere Westseite verlegt
  • Ein Treppenturm ermöglichte bequemeres Navigieren der Anlage
  • Ein Back- und Badehaus wurde eingebaut – Komfort auf mittelalterlichem Niveau
  • Eine Zisterne sicherte die Wasserversorgung
  • Die Mantelmauer wurde weiter erhöht
  • Besonders bemerkenswert: steinerne Abortschächte wurden in den Zwinger eingebaut, sodass die Hinterlassenschaften der Bewohner diskret am Außenbereich abgeleitet wurden – mittelalterliche Hygienelösung mit Köpfchen

Mit Werksteinen aus Marmor wurde dabei teilweise gearbeitet – ein Luxusdetail, das zeigt, dass die Freyberger Wert auf Repräsentation legten.

Das Ende und die Rettung – Feuer und Wiedergeburt

Am 15. September 1646 kam das Ende aus einer für die Burgherren unvorstellbaren Richtung: nicht durch Feinde, sondern durch die eigene Obrigkeit. Die Tiroler Landesregierung ließ Eisenberg – gleichzeitig mit Hohenfreyberg und Falkenstein – in Brand setzen. Lieber Asche als Feindeshand. Seitdem stand die Burg als stilles Mahnmal da, wechselte 1952 in den Besitz der Gemeinde Eisenberg und verfiel jahrzehntelang still vor sich hin.

Die Rettung kam in den 1980er Jahren – getragen von lokalem Engagement: Der Burgenverein Eisenberg organisierte gemeinsam mit der Gemeinde die aufwendige Sanierung des Gemäuers. Heute steht Eisenberg als geborgtes Stück Vergangenheit inmitten der Allgäuer Landschaft – frei zugänglich, kostenlos, und zu jeder Jahreszeit besuchbar.


Burg Hohenfreyberg – Das letzte Aufbegehren des Rittertums

Ein Sohn, ein Trotz, eine Burg – Die Geschichte hinter dem Bau

Wenn Eisenberg von Wut gebaut wurde, dann wurde Hohenfreyberg aus Nostalgie und Stolz errichtet. Die Geschichte beginnt mit einem Vater-Sohn-Verhältnis, das die Kunstgeschichte Bayerns für immer verändert hat. Friedrich von Freyberg, ältester Sohn des Burgherrn von Eisenberg, wollte sich nicht damit abfinden, im Schatten der väterlichen Burg zu leben. Er wollte seine eigene – und zwar keine, die dem Zeitgeist des frühen 15. Jahrhunderts entsprach, sondern eine, die auf die Glanzzeit der Staufer zurückgriff.

Zwischen 1418 und 1432 ließ Friedrich von Freyberg zu Eisenberg seine Traumburg errichten: Hohenfreyberg. Die Wahl des Baustils war eine bewusste Provokation gegen den Lauf der Zeit. Das Rittertum war im Niedergang begriffen, Artilleriewaffen machten klassische Burgen obsolet, und die politische Landschaft veränderte sich rasant. Ausgerechnet in diesem Moment baute Friedrich eine Burg, die wie eine Stauferfeste des 12. Jahrhunderts aussah. Ein Anachronismus als Programm – und einer der letzten großen Burgneubauten des deutschen Mittelalters überhaupt.

Gigantisch und malerisch – Was Hohenfreyberg architektonisch auszeichnet

Hohenfreyberg liegt auf einem zweigipfeligen, felsigen Höhenzug vor den Tannheimer Bergen auf 1.040 Metern – wenige Gehminuten von Eisenberg entfernt, aber optisch und topografisch eine andere Welt. Die Silhouette der Burg gegen den Alpenhimmel ist auch heute noch eine der eindrucksvollsten des gesamten bayerischen Alpenvorlandes.

Die Anlage gehört zu den größten Burgen Bayerns und gliedert sich in mehrere markante Bereiche:

Beim Betreten der Anlage passierst du zunächst die ausgedehnte Vorburg, bevor du in die eigentliche Kernburg gelangst. Das Herzstück bildet der imposante Bergfried am östlichen Ende, der einst weit über die Mauern hinausragte. Davor lagert eine vorgesetzte Altane – eine Aussichtsplattform mit direktem Blick in die Tiefe. Im Südwesten findest du die Reste eines runden, eingewölbten Kapellenturms, an den sich die Burgkapelle anschloss. Ein Zisternenturm und ein alter Torturm lassen sich noch heute umrunden, und vom sogenannten Blockhaus auf der Westseite blickst du direkt in den Burghof der Vorburg – ein einzigartiger Perspektivwechsel.

Modernisierung unter Georg Gossembrot – Als Geld die Burg veränderte

Nach Friedrichs Tod gelangte Hohenfreyberg an seine Söhne Georg und Friedrich von Freyberg-Eisenberg-Hohenfreyberg. Die Unterhaltungskosten der gewaltigen Anlage sprengten schnell die finanziellen Möglichkeiten der Familie, und so verkauften sie 1484 an Erzherzog Sigmund von Österreich. Unter Kaiser Maximilian I. wurde die Burg 1499 an den Augsburger Kaufmann Georg Gossembrot verpfändet – und der investierte.

Gossembrot ließ die Burg grundlegend modernisieren: Neue Geschützstände, stärkere Mauern und Schießscharten rüsteten Hohenfreyberg für das Zeitalter der Feuerwaffen nach. Ein großer Artillerieturm im Südwesten rundete die Modernisierungsmaßnahmen ab. Seine Tochter Sibylle heiratete später Lutz von Freyberg – damit schloss sich der Kreis, und die familiäre Verbindung zur Nachbarburg Eisenberg wurde neu geknüpft.

Mustergültig saniert – Hohenfreyberg als Denkmalschutz-Vorzeigeobjekt

Von 1995 bis 2006 wurde Hohenfreyberg aufwendig gesichert und saniert – und das Ergebnis gilt in Fachkreisen als vorbildlich. Die Sanierung gelang so sorgfältig, dass Hohenfreyberg heute als eine der am besten erforschten und besterhaltensten Burgruinen Deutschlands gilt. Wer als Burgenforscher oder Geschichtsbegeisterter ein Beispiel für mustergültige Denkmalpflege sehen möchte, wird hier fündig.

Das Burgenmuseum im nahegelegenen Eisenberg-Zell zeigt zahlreiche Fundstücke aus den Ausgrabungen beider Burgen – ein lohnender Stopp, bevor oder nachdem du die Ruinen erkundest.


Burg Falkenstein – Deutschlands höchste Burgruine und Ludwigs letzter Traum

Drohgebärde in Stein – Die Geburt des Falkensteins

Wenn Eisenberg Trotz war und Hohenfreyberg Nostalgie, dann war Falkenstein pure Machtdemonstration. Um das Jahr 1270–1280 ließ Graf Meinhard II. von Tirol auf dem gleichnamigen Felsgipfel bei Pfronten eine Burg errichten, die von weit her sichtbar sein sollte – und es bis heute ist. Das Ziel war unmissverständlich: eine unübersehbare Drohgebärde gegenüber dem Herzogtum Bayern und dem Bistum Augsburg.

In jener Zeit rangen Tirol, Bayern und Augsburg um die Vorherrschaft im östlichen Allgäu. Die Burg, im Mittelalter noch „castrum Pfronten" genannt (der Name „Falkenstein" taucht erst ab dem 15. Jahrhundert in den Quellen auf), saß wie ein steinerner Falkenkopf auf dem Gipfel – unnachgiebig, herausfordernd, auf alles hinabblickend.

Eine Lage jenseits jeder Vernunft – Und genau das ist das Geheimnis

Auf 1.277 Metern Höhe, direkt am Rand einer bis zu 400 Meter senkrecht abfallenden Bergwand über dem Vilstal, thront die Ruine des Falkensteins. Das macht sie zur höchstgelegenen Burgruine Deutschlands – und zur wohl schwindelerregendsten Architektur, die das Mittelalter in diesem Land hinterlassen hat.

Die Position war von Anfang an ein zweischneidiges Schwert: spektakulär und symbolisch mächtig, aber als alltäglicher Verwaltungssitz kaum geeignet. Im Winter war der Aufstieg lebensgefährlich, die Versorgung der Besatzung logistisch ein Albtraum. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Amtssitz 1582 ins Tal nach Pfronten-Ried verlegt wurde – die Burg behielt ihre Symbolkraft, verlor aber ihre praktische Funktion. Bis zum Ende blieb sie ein Herrschaftszeichen, das mehr für die Augen der Feinde als für das Wohl seiner Bewohner gebaut worden war.

Vom Tiroler Besitz zum Hochstift – Centuries of Ownership

Innerhalb weniger Jahrzehnte nach der Erbauung wechselte Falkenstein in den Besitz des Bischofs von Augsburg, der fortan eine Vogtgebühr aus den Gerichtseinnahmen der Burg zahlte. Die klerikale Verwaltung hielt am Falkenstein ihren Amtssitz bis weit ins 16. Jahrhundert – auch wenn die Beamten lieber im angenehmen Tal lebten als auf dem windgepeitschten Gipfel.

Um 1300 ließ Bischof Wolfhard von Augsburg die Haupthalle im ersten Obergeschoss modernisieren und ein beheiztes dreijochiges Kreuzgratgewölbe einbauen – ein Luxusdetail, das den Wohnkomfort auf dem eisigen Gipfel etwas erträglicher machte. Die Spuren dieses Gewölbes sind noch heute an den Kämpfern und Ausbruchspuren der Mauern ablesbar.

Das Jahr 1646 – Das Ende aller drei Burgen

Wie seine Nachbarn Eisenberg und Hohenfreyberg überlebte auch Falkenstein den 15. September 1646 nicht als bewohnte Burg. Die Tiroler Landesregierung ließ alle drei Anlagen in Brand setzen – eine koordinierte Selbstzerstörung, die militärisch verständlich, historisch aber umso schmerzlicher war. Seitdem stand auf dem Felsgipfel nur noch Asche, dann Moos, dann Stille. Für über zwei Jahrhunderte war Falkenstein vergessen.

König Ludwig II. und sein letzter, größter Traum

Dann, im Jahr 1883, betritt eine der faszinierendsten Figuren der deutschen Geschichte die Bühne: König Ludwig II. von Bayern – der „Märchenkönig", der Schöpfer von Neuschwanstein. Ludwig erwarb die Ruine des Falkensteins von Bayern und ließ umgehend Pläne für ein neues Schloss entwerfen. Sein Ziel: ein Traumschloss, das Neuschwanstein noch in den Schatten stellen sollte – größer, kühner, romantischer. Eine „Raubritterburg" in gotischem Stil, die auf dem schwindelerregenden Felssockel thront und von Neuschwanstein aus zu sehen wäre.

Der erste Entwurf kam vom Bühnenmaler Christian Jank, der bereits Neuschwanstein entworfen hatte. Die Zeichnung war phantastisch – und schlicht unbaubar. Ludwig lehnte den zweiten Entwurf des Architekten Georg von Dollmann zornig ab, weil dieser angesichts der königlichen Geldprobleme eine deutlich bescheidenere Variante gewählt hatte. Dollmann wurde entlassen.

Den Auftrag erhielt schließlich der Regensburger Architekt Max Schultze, der eine „Raubritterburg" entwarf, die Ludwigs Vorstellungen tatsächlich nahekam. Schultze ließ auch eine Zufahrtsstraße und eine Wasserleitung zur Burg anlegen – es waren die einzigen baulichen Maßnahmen, die je realisiert wurden.

Am 13. Juni 1886 ertrank Ludwig II. im Starnberger See. Das Projekt Falkenstein war sofort eingestellt. Der letzte Entwurf, in dem der Architekt noch nach Ludwigs Tod weiterzeichnete und dabei ein nochmals erhöhtes Schlafgemach einplante, blieb unvollendet – so, wie der Architekt ihn nach dem Tod des Königs ließ. Auf Schloss Herrenchiemsee sind noch heute einzelne Bauzeichnungen und ein Ölgemälde des geplanten Schlafsaals zu bewundern.

Ein Ort der Superlative und Legenden

Falkenstein ist kein gewöhnlicher Ort. Die extreme Abgeschiedenheit und der atemberaubende Blick haben über Jahrhunderte hinweg Mythen und Sagen angezogen – manches davon ist Legende, vieles ist einfach die Wirkung dieses unglaublichen Platzes auf die menschliche Fantasie. Von der modernen Aussichtsplattform innerhalb der Ruine, die 2005 eingebaut wurde, öffnet sich ein 360-Grad-Panorama über das Ostallgäuer Königswinkel, auf die Seen des Voralpenlands, auf die Gipfel der Tannheimer Gruppe – und, bei guter Sicht, hinüber zu Neuschwanstein.


Das gemeinsame Schicksal – Wie alle drei Burgen verbunden sind

Die drei Burgruinen teilen mehr als nur geografische Nähe. Sie sind durch ein Geflecht aus Familiengeschichten, politischen Konflikten und historischen Katastrophen miteinander verwoben:

Die Familie Freyberg verbindet Eisenberg und Hohenfreyberg direkt – Vater und Sohn bauten buchstäblich nebeneinanderher, zwei Generationen, zwei Weltsichten, zwei Burgen. Der österreichisch-tirolerische Einfluss prägte alle drei Anlagen über Jahrhunderte, mal als Käufer, mal als Verpfänder, mal als Zerstörer. Und am Ende steht für alle drei dasselbe Datum: der 15. September 1646 – ein Tag, der die Geschichte des Allgäus für immer in „davor" und „danach" teilt.

Selbst in den Nachrichten des 20. Jahrhunderts tauchen sie gemeinsam auf: Die Sanierungsprojekte der 1980er bis 2000er Jahre, die Gründung der Burgenregion Allgäu, das gemeinsame Burgenmuseum in Eisenberg-Zell – all das wäre ohne das Bewusstsein um das kollektive Erbe dieser drei Anlagen nicht entstanden.


Besuchen, Erleben, Verstehen – Dein Guide für das Burgentrip-Erlebnis

So kommst du hin

Eisenberg und Hohenfreyberg liegen direkt nebeneinander oberhalb des Dorfes Zell bei Eisenberg im Ostallgäu. Du parkst am Wanderparkplatz in Richtung Eisenberg/Zell und läufst von der Schlossbergalm aus in etwa 10 Minuten mäßig steil zu den Burgen hinauf. Beide Anlagen sind frei zugänglich und ganzjährig kostenlos zu besuchen.

Falkenstein liegt bei Pfronten-Steinach. Eine schmale Serpentinenstraße führt hinauf zum Burghotel – wegen der einspu­rigen Strecke gilt eine Ampelregelung mit festen Auf- und Abfahrtzeiten (Auffahrt jeweils von Viertel nach bis fünf vor der vollen Stunde). Alternativ – und deutlich empfehlenswerter – nimmst du dir rund 1,5 Stunden Zeit für die Wanderung auf dem König-Ludwig-Weg vom Ortsrand Pfronten durch blühende Wiesen und Bergwald hinauf zur Ruine.

Was dich erwartet

  • Eisenberg: Die Mantelmauerburg mit ihren mächtigen Ringmauern – ideal, um die Wehrarchitektur des 14. Jahrhunderts hautnah zu erleben. Sommers finden wöchentliche Führungen statt.

  • Hohenfreyberg: Die eindrucksvollere der beiden Nachbarburgen – größer, dramatischer, mit besserem Fernblick. Wandere von hier direkt zu Eisenberg hinüber; der Pfad zwischen beiden Ruinen dauert nur wenige Minuten.

  • Falkenstein: Das absolute Highlight für alle, die Höhe, Geschichte und einen Schauer von Schwindel schätzen. Die kleine Aussichtsplattform innerhalb der Ruine bietet das vielleicht beeindruckendste Panorama im gesamten Ostallgäu. Das kostenlose Burgmuseum unterhalb des Burghotels informiert über Ludwigs Pläne.

Das Burgenmuseum Eisenberg – Mehr als nur Steine

Im Zentrum von Eisenberg-Zell befindet sich das Burgenmuseum, das seit 1985 archäologische Fundstücke beider Burgen ausstellt. Geöffnet ist es samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie im Juli und August zusätzlich mittwochs. Für alle, die tiefer in die Geschichte eintauchen möchten, ist ein Besuch Pflicht.

Die beste Jahreszeit für deinen Besuch

Frühling und Frühherbst sind die idealen Jahreszeiten: Das Licht ist golden, die Sicht auf die Alpen klar, und die Wege sind gut begehbar. Im Sommer ist es auf den Gipfeln angenehm kühl, während es im Tal schwühl sein kann. Im Winter solltest du die Verhältnisse prüfen – vor allem der Aufstieg zum Falkenstein kann bei Schnee und Eis gefährlich werden.


Warum diese drei Burgen dich nicht loslassen

Es gibt Orte, die du besuchst und wieder vergisst. Dann gibt es Orte, die sich in dir festsetzen – nicht wegen ihrer Größe oder Bekanntheit, sondern wegen ihrer Stimmung. Die drei Burgruinen im Ostallgäu gehören zur zweiten Kategorie.

Auf Eisenberg spürst du den Eigensinn eines Mannes, der sein Recht auf einen Platz in der Welt nicht aufgeben wollte. Auf Hohenfreyberg stehst du vor dem letzten trotzigen Aufbegehren einer untergehenden Ritterkultur, eingefroren in Stein. Auf dem Falkenstein blickst du in die Tiefe und denkst an einen König, der hier oben noch größer träumen wollte – und dem der Tod zuvorkam.

Alle drei Burgen erzählen von Menschen, die sich dem Vergessen widersetzt haben – durch Bauen, durch Kämpfen, durch Träumen. Dass sie heute als Ruinen dastehen, macht sie nicht kleiner. Im Gegenteil: Der Zerfall gibt ihnen etwas zurück, was vollständige Bauten nie haben können – die Offenheit für die eigene Vorstellung, die Einladung, die fehlenden Mauern selbst zu ergänzen.

Wenn du das nächste Mal im Allgäu bist und zwischen Käsespätzle und Bergpanorama wählen musst: Wähle beides. Aber leg den Besuch beim Dreigestirn der Burgruinen dazwischen. Du wirst es nicht bereuen.


Praktische Informationen auf einen Blick

  Burg Eisenberg Burg Hohenfreyberg Burg Falkenstein
Höhe ca. 1.055 m ca. 1.040 m 1.277 m
Erbaut um 1315 1418–1432 um 1270–1280
Erbauer Peter von Hohenegg Friedrich von Freyberg Meinhard II. von Tirol
Zerstört 1646 1646 1646
Eintritt kostenlos kostenlos kostenlos
Zugang ganzjährig ganzjährig ganzjährig
Besonderheit Mantelmauerburg Letzter großer Burgneubau des MA Höchste Burgruine Deutschlands

Adresse Eisenberg/Hohenfreyberg: Dorfstr. 12, 87637 Eisenberg (Gemeinde) Adresse Falkenstein: Auf dem Falkenstein, 87459 Pfronten Burgenmuseum Eisenberg: Dorfstr. 12, 87637 Eisenberg · Sa, So & Feiertags 14–17 Uhr, Juli/August auch Mi 14–17 Uhr


Entdecke die Burgenregion Allgäu – wo jeder Stein eine Geschichte erzählt und jeder Aufstieg mit einem Blick belohnt wird, der dich sprachlos macht.