Der Alatsee bei Füssen

Wo das Wasser brennt, Sagen flüstern und die Natur atemlos macht

Entdecke eines der faszinierendsten Naturwunder des Allgäus – einen See, der sich seine tiefsten Geheimnisse bis heute nicht vollständig preisgegeben hat.


Auf den ersten Blick: Ein See, der dich sofort in seinen Bann zieht

Stell dir vor, du biegst auf einer kleinen Straße durch einen dichten Bergwald ab, die Tannen rücken enger zusammen, der Asphalt endet fast – und dann liegt er plötzlich vor dir: der Alatsee. Tiefblau schimmert das Wasser zwischen bewaldeten Hängen, die Spiegelung des Falkensteinkamms zittert auf der Oberfläche, und es herrscht eine Stille, die sich anfühlt, als hätte die Welt hier draußen einfach aufgehört. Willkommen an einem Ort, der dich so schnell nicht wieder loslässt.

Der Alatsee bei Füssen zählt zu den eigentümlichsten und schönsten Bergseen ganz Bayerns. Klein auf den ersten Blick, mit zwölf Hektar Fläche und rund 490 Metern Länge – aber was sich darunter und drumherum verbirgt, ist so vielschichtig wie die Wasserschichten des Sees selbst. Hier treffen glasklare Idylle und wissenschaftliche Einzigartigkeit aufeinander, uralte Sagen und historische Schrecken, Badespaß und mystisches Gänsehautfeeling. Kurzum: Der Alatsee ist alles andere als ein gewöhnlicher Badesee.


Wo liegt der Alatsee eigentlich – und wie komme ich hin?

Der Alatsee liegt im Landkreis Ostallgäu, eingebettet in das Faulenbacher Tal, rund sechs Kilometer westlich von Füssen. Auf 868 Metern Meereshöhe versteckt er sich in einer schluchtartigen Senke zwischen dem Falkensteinkamm im Süden – der gleichzeitig die Grenze zu Österreich bildet – und dem Weißensee im Norden. Die Entfernung zur österreichischen Grenze beträgt gerade einmal 80 Meter, was den See zu einem echten Grenzgänger zwischen zwei Welten macht.

Mit dem Auto: Von Füssen aus folgst du der Straße in Richtung Weißensee und biegst dann auf die Alatseestraße ab, die dich durch den Wald direkt ans Ostufer führt. Direktes Fahren ist nur auf dieser einzigen für PKW zugelassenen Straße möglich – alle anderen Zugänge sind Fuß- und Radwegen vorbehalten.

Mit dem Fahrrad oder zu Fuß: Besonders empfehlenswert ist der Weg durch das Faulenbacher Tal, der von Füssen aus zum See führt. Entlang des gleichnamigen Bachs schlängelst du dich durch eine der schönsten Tallandschaften des Allgäus. Der Weg ist für Autos gesperrt und gibt dir die Möglichkeit, die Natur vollständig in dich aufzusaugen. Vom Weißensee aus ist der Alatsee über einen gut ausgebauten Waldweg in rund 55 Minuten zu Fuß erreichbar.

Mit dem ÖPNV: Wer auf das Auto verzichten möchte, erreicht Füssen bequem mit dem Zug und von dort aus mit dem Fahrrad oder zu Fuß den See – eine absolut empfehlenswerte Alternative, die gleichzeitig die Umwelt schont.


Ein See mit Tiefgang – Die Fakten, die beeindrucken

Zahlen allein erzählen selten die ganze Geschichte, aber beim Alatsee lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

  • Höhe: 868 Meter über dem Meeresspiegel
  • Länge: 490 Meter (Ost-West-Ausdehnung)
  • Breite: bis zu 290 Meter
  • Fläche: 12 Hektar
  • Tiefe: bis zu 32,1 Meter (einige Messungen sprechen sogar von 35 Metern)
  • Durchschnittliche Tiefe: 15,3 Meter
  • Wasservolumen: rund 1,84 Millionen Kubikmeter
  • Uferlänge: etwa 1,3 Kilometer

Dass ein vergleichsweise kleiner See eine solche Tiefe erreicht, ist für sich genommen schon bemerkenswert – und gibt Spekulationen reichlich Nahrung. Das Wasser des Alatsees stammt ausschließlich aus dem Grundwasser und fließt über den Faulenbach ab, der seinen Namen dem schwefeligen Geruch verdankt, den er mit sich trägt. Über Obersee und Mittersee findet das Wasser schließlich seinen Weg in den Lech.


Eiszeit als Architekt – Wie der Alatsee entstand

Wer verstehen will, warum der Alatsee so ungewöhnlich ist, muss rund 10.000 bis 15.000 Jahre zurückblicken. Damals, am Ende der letzten Eiszeit, hinterließ ein riesiger Eisblock beim Abschmelzen eine tiefe Wanne in der Landschaft – den sogenannten Toteissee. Als das Eis verschwand, füllte sich die Mulde mit Grundwasser, und es entstand der See, der uns heute so fasziniert. Geologen bezeichnen diesen Entstehungstyp als Karsee.

Die schluchtartige Senke, in der der Alatsee liegt, verstärkt durch ihre Topographie das, was ihn wissenschaftlich so interessant macht: Eine natürliche Barriere aus Wald und Fels sorgt dafür, dass Wind und Strömungen kaum an die tieferen Schichten des Sees herankommen. Was dadurch entsteht, ist eines der außergewöhnlichsten limnologischen Phänomene Mitteleuropas.


Das größte Geheimnis: Der meromiktische See und sein rotes Herz

Hier wird es wirklich spannend – und ein bisschen gruselig. Der Alatsee ist, was Wissenschaftler als meromiktisch bezeichnen. Das bedeutet: Die verschiedenen Wasserschichten des Sees vermischen sich nicht. Oben schwappt frisches, sauerstoffreiches Wasser, das die Jahreszeiten mitmacht und sich mit dem Wind bewegt. Doch ab einer Tiefe von etwa 15 bis 18 Metern beginnt eine andere Welt – eine, in die der Sauerstoff nicht mehr vordringt.

In dieser permanenten Dunkelzone, hermetisch abgeschirmt vom restlichen See, gedeihen Purpur-Schwefelbakterien – und zwar in einer Intensität, die weltweit zu den ausgeprägtesten in Süßwasserseen überhaupt zählt. Diese Bakterien sind der Grund für den berüchtigten Beinamen des Sees: „Blutsee" oder „blutender See". Denn wenn sich durch besondere Umstände die Bakterienmasse nach oben ausbreitet oder die Trennschicht gestört wird, kann sich das Wasser des Alatsees in ein beängstigendes Rot-Violett verwandeln. Ein Anblick, der Generationen von Einheimischen in Schrecken versetzt hat.

Dazu gesellen sich in den tieferen Schichten die feuerroten Burgunderblutalgen (Planktothrix rubescens) – die in Wirklichkeit keine Algen, sondern Cyanobakterien sind und ebenfalls zur dramatischen Farbveränderung beitragen. In dieser Tiefe herrscht nahezu völliger Sauerstoffmangel, und die Stoffwechselprodukte der Purpurbakterien sind für die meisten höheren Lebewesen toxisch.

Und dennoch – hier beginnt es wirklich rätselhaft zu werden – wurden Fische beobachtet, die sich in genau diese giftige Schicht hineinbewegen und offenbar unversehrt wieder herauskommen. Süßwasserpolypen wurden dort entdeckt, ebenso wie Kolonien verschiedener Bakterienarten, die unter normalen Umständen gar nicht miteinander existieren könnten. Der Alatsee ist ein stilles, lebendiges Labor, das die Wissenschaft bis heute mit Fragen konfrontiert, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Wo der Schwefel in diesem Grundwassersee herkommt, ist übrigens bis heute nicht abschließend geklärt. Auch das gehört zu dem Rätsel, das dieser kleine Bergsee mit sich trägt.


Tauchen verboten – Warum der See seine Tiefen schützt

Seit 1983 ist der Alatsee für den Tauchsport vollständig gesperrt. Und das aus gutem Grund: Wer die giftige Purpurbakterienschicht durchtaucht, setzt sich ernsthaften Risiken aus. Das sauerstofflose, mit Schwefelwasserstoff angereicherte Tiefenwasser ist für menschliches Tauchen schlichtweg lebensgefährlich. Es gibt Berichte über Taucher, die in früheren Jahrzehnten – lange bevor das Verbot ausgesprochen wurde – unter mysteriösen Umständen verschwanden oder ums Leben kamen. Der See hat, so die englischsprachige Wikipedia, den Ruf, mehrere Taucher durch die Toxizität seiner Tiefenorganismen das Leben gekostet zu haben.

Wissenschaftlichen Untersuchungen werden auf Antrag Sondergenehmigungen erteilt. Der Rest von uns muss sich damit begnügen, von oben in das kristallklare Wasser zu schauen – und sich vorzustellen, was in der Tiefe wartet. Was übrigens durchaus seinen Reiz hat.


Sagen, Flüche und versunkene Schätze – Die mystische Seele des Alatsees

Ein See mit einem so außergewöhnlichen Charakter braucht natürlich auch außergewöhnliche Geschichten. Und die hat der Alatsee im Überfluss.

Der Fluch der Ritterin

Die älteste überlieferte Geschichte rankt sich um eine Ritterin, der der See einst gehörte. Sie soll ihn dem benachbarten Kloster Sankt Mang in Füssen vorübergehend zur Fischerei überlassen haben. Als die Mönche das Gewässer aber nicht mehr zurückgaben, verfluchte sie den See in ihrer Wut. Ihr Sohn soll daraufhin Baumpfähle in den Alatsee geworfen haben, um ihn für die Netzfischerei unbrauchbar zu machen. Die Pfähle sind längst verschwunden – der Fluch, so tuscheln manche, vielleicht nicht.

Der Schlüsselmönch von Faulenbach

Im nahen Faulenbacher Tal geistert angeblich noch heute ein Mönch umher – der sogenannte Schlüsselmönch. Er soll zu Hochzeiten des Klosters Sankt Mang die Kasse veruntreut haben und ist seither dazu verdammt, ruhelos durch das Tal zu wandern. In dunklen Nächten, so sagen die Einheimischen, kann man noch immer das Klirren seines schweren Schlüsselbunds hören, bevor man ihn sieht.

Verwunschene Frauen in der Tiefe

Eine dunklere Sage erzählt von verwunschenen Frauen, die im Tiefenwasser des Alatsees leben sollen. Sie warten darauf, gutaussehende Männer in die Tiefe hinabzulocken – um endlich erlöst zu werden. Ein Motiv, das sich durch viele Alpensagen zieht und dem Alatsee eine beunruhigende Erotik des Abgrunds verleiht.

Das Gold der Deutschen Reichsbank

Die spektakulärste und bekannteste Legende rankt sich um die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. In den chaotischen Wochen vor der deutschen Kapitulation im Mai 1945 sollen die Nationalsozialisten den Goldschatz der Deutschen Reichsbank, der zuvor auf Schloss Neuschwanstein gelagert worden war, nachts auf beladenen Lastwagen in Richtung Alatsee transportiert und im See versenkt haben. Einwohner wollen die Lastwagen damals gesehen haben.

Bis heute wurde auf dem Seegrund kein Gold entdeckt. Insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren zog das Gerücht zahlreiche Schatzsucher und illegale Taucher an – die zwar versenkte Waffen und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg bargen, aber keinen Schatz fanden. Das Gerücht hält sich dennoch hartnäckig, denn die Tiefen des Alatsees haben noch lange nicht alles preisgegeben.

Nazistische Unterwasserversuche – ein belegtes Geheimnis

Was hingegen kein Gerücht ist: Die Nationalsozialisten haben den Alatsee während des Zweiten Weltkriegs für geheime militärtechnische Versuche genutzt. Luftwaffentechniker führten mit Modellen der Focke-Wulf Ta 154 – einem deutschen Nachtjäger – Unterwasserversuche zur Aerodynamik von Flugzeugrümpfen durch. Als Beweis dafür finden sich bis heute schwere Eisenstangen und Metallgestelle auf dem Seegrund, die von Tauchern in früheren Jahrzehnten entdeckt wurden. Ein stiller Zeuge einer Zeit, die niemand vergessen darf.


Der Alatsee als Tatort – Kommissar Kluftinger schlägt zu

Auch die Literatur hat den Alatsee für sich entdeckt. Das erfolgreiche Allgäuer Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr ließ ihren Kultkriminalisten Kommissar Kluftinger im dritten Band ihrer Reihe genau hier ermitteln: Im Roman „Seegrund" dreht sich alles um Schatzsuche, die dunklen Vorkommnisse des Dritten Reichs und ein schwerwiegendes Vermächtnis. Der Tote am Ufer liegt in einer roten Lache – und es ist kein Blut, sondern der Schlabber aus dem See.

Der Roman ist ein perfektes Beispiel dafür, wie der Alatsee als Kulisse funktioniert: Er braucht keine Ausschmückung. Er ist von sich aus schon ein Tatort des Staunens.


Der Naturschutzgedanke: Ein See, der unter Schutz steht

Der Alatsee und seine unmittelbare Umgebung sind Teil eines Landschaftsschutzgebietes und eingebunden in das europäische Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000. Das ist kein bürokratisches Detail, sondern ein klares Signal: Dieser See ist ein ökologisches Kleinod von europäischem Rang.

Mehr als 1.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten haben in diesem Ökosystem ihren Lebensraum – darunter viele seltene und gefährdete Arten. Das kristallklare Wasser, das seine ungewöhnliche Transparenz der geringen Nährstoffbelastung und den Kalkablagerungen verdankt, bietet Forschenden aus der Limnologie und der Mikrobiologie bis heute wertvolle Untersuchungsmöglichkeiten. Der Alatsee ist, mit anderen Worten, ein Freiluftlabor, das die Wissenschaft immer wieder neu herausfordert.

Übrigens: Eine Krebspest, die den Alatsee in jüngerer Vergangenheit betraf und vorübergehend zu Einschränkungen für Badegäste führte, ist überstanden. Der See ist wieder vollständig zugänglich.


Baden, Entspannen, Seele baumeln lassen – Der Alatsee im Sommer

Trotz all der Mystik ist der Alatsee vor allem eines: wunderschön zum Baden. Das kühle, glasklare Wasser hat im Sommer angenehme, wenn auch frische Temperaturen, die für herrliche Abkühlung sorgen. Am Westufer befindet sich eine kleine Liegewiese, die zum Entspannen einlädt. Am Ostufer gibt es einen weiteren Badezugang, direkt beim Hotel am Alatsee, wo das Wasser flacher ist und der Einstieg besonders angenehm ausfällt.

Der See ist auch hundefreundlich – Vierbeiner sind willkommen und dürfen das Wasser ebenfalls genießen. Unter der Woche genieße ich hier eine Ruhe, die im Allgäu rar geworden ist: Vogelgesang, das Zirpen von Grillen, das leise Plätschern des Wassers. Und wenn die Sonne durch die Baumkronen fällt und das Wasser in diesem tiefen Türkisblau leuchtet, fühlt man sich tatsächlich ein bisschen wie auf einer einsamen Insel der Südsee – nur mit Bergpanorama.


Der Rundwanderweg – Klein, aber fein

Um den Alatsee führt ein 1,5 Kilometer langer Rundwanderweg, der gemütlich in rund 30 Minuten absolviert ist. Der Weg ist kinderwagentauglich und daher auch für Familien mit kleinen Kindern bestens geeignet. Entlang des Ufers sind liebevoll gestaltete Schaukästen mit Informationen über die heimische Vogelwelt aufgestellt – der Rundweg ist gleichzeitig ein Lehrpfad, der Natur erlebbar macht, ohne dabei belehrend zu wirken.

Am nördlichen Ende des Sees öffnet sich die sogenannte Sonnenwiese: Hier laden Bänke zum Verweilen ein, und der Blick schweift über das Wasser hinüber zu den majestätischen Silhouetten von Tegelberg und Säuling. Diese beiden Gipfel dominieren das Panorama und erinnern daran: Du bist im Allgäu, und das Allgäu ist grandios.

Wer möchte, kann den Rundweg auch als Ausgangspunkt für ausgedehntere Wanderungen nutzen. Vom Nordwestufer zweigt ein gut ausgebauter Pfad zur Saloberalm ab, von dort weiter über den Zirmgrat zur Ruine Falkenstein – eine der schönsten Wanderungen der gesamten Region. Ebenfalls lohnenswert ist die sogenannte Zweiseen-Wanderung, die Alatsee und Weißensee verbindet. Oder du nimmst den Weg durch das Faulenbacher Tal zurück nach Füssen und machst dabei einen Abstecher zum Lechfall – einem der schönsten Wasserfälle im Allgäu, der am Ende seines Laufs das Wasser des Faulenbachs in sich aufnimmt.

Für ambitioniertere Wanderer bietet sich der Rundwanderweg „Königstraum" von Pfronten über den Zirmgrat an, oder eine Grenzüberschreitung über die Vilser Scharte (878 m) nach Österreich – ein historisch bedeutsamer Weg, der einst von Schmugglern genutzt wurde, die ihre Waren unbemerkt an der Zollkontrolle vorbeibrachten.


Einkehren mit Stil – Das Hotel am Alatsee

Direkt am Seeufer liegt das Hotel am Alatsee – und es wäre fast eine Sünde, nach dem Rundweg nicht einzukehren. Ein gemütlicher Biergarten unter alten Bäumen lädt zur Brotzeit ein, das stilvolle Restaurant verwöhnt mit einer exquisiten alpenländischen Küche, die Tradition und Kreativität auf den Teller bringt. Die Inhaber Miriam und Janos Kemmler haben dem Haus ein herzliches, persönliches Flair gegeben, das in einer Zeit von Massentourismus wohltuend auffällt.

Eine Tischreservierung ist besonders am Abend und an Wochenenden absolut empfehlenswert, denn das Restaurant ist äußerst beliebt. Wer nicht nur einen Tagesausflug plant, kann hier auch übernachten – ein unvergessliches Erlebnis, wenn der See in der Abenddämmerung seine Farben wechselt und die Stille des Bergwalds einsetzt.

Öffnungszeiten des Restaurants (Stand 2024):

  • Montag und Dienstag: 11:00 – 18:00 Uhr
  • Mittwoch bis Sonntag: 11:00 – 20:00 Uhr
  • Reservierung: 08362 / 6205

Das Faulenbacher Tal – Der Weg ist das Ziel

Auf dem Weg zum Alatsee lohnt sich ein bewusstes Innehalten im Faulenbacher Tal, das von den Einheimischen auch als „Tal der Sinne" bezeichnet wird. Der Faulenbach – dessen Name dem schwefeligen Geruch des Wassers geschuldet ist, das aus dem Alatsee stammt – plätschert neben dem Weg und erzeugt eine Atmosphäre von geradezu meditativer Ruhe.

Entlang des Weges liegen der Mittersee und der Obersee, zwei künstlich angelegte Gewässer, die einst den Mönchen des Benediktinerklosters Sankt Mang als Fischteiche dienten. Sie werden noch heute vom Wasser des Alatsees gespeist – ein lebendiges Überbleibsel mittelalterlicher Klosterwirtschaft.

Wer gut lauscht, wird vielleicht das Klirren eines Schlüsselbunds hören...


Für Radfahrer – Der Alatsee auf zwei Rädern

Der Alatsee ist auch als Etappenpunkt auf Radrouten beliebt. Vom Bahnhof Füssen aus lässt sich eine schöne Runde über Alatsee und Hopfensee planen – insgesamt rund 50 Kilometer, die durch eine der schönsten Seenlandschaften Bayerns führen. Der Weg durch das Faulenbacher Tal ist autofrei und daher ideal für Radfahrer und Spaziergänger gleichermaßen. Wer einen E-Bike-Ausflug plant, findet am Alatsee und in der Region viele Möglichkeiten zum Laden und Erholen.


Alle Jahreszeiten haben ihren Reiz

Der Alatsee lohnt einen Besuch zu jeder Jahreszeit – und jede zeigt ihn in einem anderen Licht:

Frühling: Wenn das Schmelzwasser die Bäche füllt und die Natur um den See herum erwacht, leuchtet der Wald in einem frischen Grün, das sich im Wasser spiegelt. Die Wanderungen sind noch ruhig, die Wege frisch.

Sommer: Die Hauptsaison lockt Badegäste, Wanderer und Familien. Das kühle Wasser ist eine willkommene Erfrischung, und der Biergarten des Hotels am Alatsee lädt zu langen Nachmittagen ein.

Herbst: Das ist vielleicht die magischste Jahreszeit am Alatsee. Wenn die Lärchen golden werden und sich der Morgennebel langsam über das Wasser hebt, sieht der See aus wie ein Gemälde. Die Stimmung ist geheimnisvoll, und man versteht intuitiv, warum sich hier so viele Legenden ranken.

Winter: Der Alatsee im Schnee – das ist ein Anblick für sich. Die Stille ist dann nahezu vollständig, der Rundweg manchmal zugig und glatt, aber wer trotzdem kommt, wird mit einer Einsamkeit und Schönheit belohnt, die im Sommer nicht zu finden ist.


Praktische Tipps für deinen Besuch

Damit dein Ausflug zum Alatsee zum vollen Erfolg wird, hier die wichtigsten Hinweise auf einen Blick:

Parken: Am Ostufer des Alatsees gibt es einen kleinen Parkplatz. Alternativ parkst du unten am Weißensee und wanderst hoch – das ist angenehmer für die Umwelt und schöner für dich.

Beste Reisezeit: Unter der Woche und außerhalb der Schulferien ist der See ruhiger und entspannter. Für die schönsten Fotos empfiehlt sich der frühe Morgen, wenn das Licht weich ist und der See noch nicht von Besuchern belebt wird.

Was du mitbringen solltest: Gutes Schuhwerk (auch für den Rundweg empfohlen), Badesachen und ein Handtuch, eine Trinkflasche, und vielleicht ein Buch für die Sonnenwiese.

Was du lassen solltest: Den Versuch, im See zu tauchen. Das ist nicht nur verboten, sondern auch wirklich gefährlich.

Mit Kindern: Der See ist familienfreundlich, der Rundweg kinderwagentauglich. Der Lehrpfad mit den Vogel-Schaukästen macht den Besuch zu einem kleinen Naturerlebnis für die Kleinen.

Mit Hund: Willkommen! Der Alatsee ist einer der wenigen Badeseen in der Region, wo Hunde ausdrücklich erlaubt sind.


Der Alatsee und Füssen – Das große Ganze entdecken

Wer den Alatsee besucht, ist von Füssen aus in wenigen Minuten entfernt – und die Stadt lohnt eine Erkundung auf jeden Fall. Die historische Altstadt mit dem ehemaligen Kloster Sankt Mang, dem Hohen Schloss und den farbenfrohen Bürgerhäusern ist ein Schmuckstück der Allgäuer Stadtkultur. Und natürlich: Von Füssen aus ist Schloss Neuschwanstein nur einen Katzensprung entfernt – der weltberühmte Märchenbau, der dem Gold der Deutschen Reichsbank einst als erstes Quartier gedient haben soll, bevor es auf mysteriösen Wegen verschwand.

Die Verbindung zwischen Alatsee und Füssen ist auch buchstäblich eine fließende: Das Wasser des Sees findet über den Faulenbach seinen Weg in den Lech, und knapp oberhalb dieser Einmündung bildet der Fluss den beeindruckenden Lechfall – einen Wasserfall, der in seiner schroffen Kraft den sanften Charme des Alatsees auf seine Weise ergänzt.


Fazit: Warum du den Alatsee einmal gesehen haben musst

Der Alatsee ist kein Ausflugsziel für Menschen, die eine perfekt erschlossene Sehenswürdigkeit suchen. Er ist ein Ort für alle, die Neugier mitbringen – auf Natur, auf Geschichte, auf das Unerklärliche. Ein Ort, der still ist und dabei so viel zu erzählen hat. Ein See, der oben leuchtet und in der Tiefe glüht.

Du wirst vielleicht kein rotes Wasser sehen. Du wirst sicher keinen Schatz finden. Aber du wirst etwas mitnehmen, das schwer zu benennen ist: das Gefühl, an einem Ort gewesen zu sein, der noch nicht restlos erklärt ist. Und das ist in einer Welt, in der fast alles einen Wikipedia-Artikel hat, seltener als man denkt.

Der Alatsee bei Füssen. Komm hin. Und lass ihn auf dich wirken.